Erfahrungsberichte: Australien

Marcel Rotthaus:

Ich habe mich für den von der Bezirksregierung Düsseldorf angebotenen Australien-Austausch entschieden, da mich die Kultur, Landschaft und Lebensweise Australiens schon immer interessiert haben. Also war für mich sofort klar, dass ich einen Austausch nach Australien machen werde. Meine Erwartungen waren natürlich sehr hoch gesteckt, weil ich noch nie so weit, und dann noch alleine, verreist war. Als ich dann die Bestätigung von der Bezirksregierung bekam, stellte ich natürlich sofort den Kontakt zu meinem australischen Austauschschüler her. Ich schrieb mit ihm über Facebook und skypte mit ihm und seiner Familie.

Bis ich mit meiner Familie am Flughafen in Frankfurt ankam, war alles ganz schön irreal für mich. Ich konnte es nicht richtig realisieren, dass ich bald für ca. 10 Wochen in Australien sein werde. Doch als ich dann Abschied von meiner Familie nehmen musste, wurde mir klar, dass ich bald alleine im Ausland sein würde.

In Australien angekommen, bekam ich zunächst einen riesigen Schreck: Mein Koffer (in dem sich u.a. auch mein Notebook befand) war verschwunden. Nachdem ich den ersten Schock überwunden hatte, suchte ich die Flughafenverwaltung auf und meldete den Verlust. Das war dann auch gleich die Feuertaufe für meine Englischkenntnisse. Bei der Flughafenverwaltung füllte ich einige Formulare aus und benachrichtigte meine Gasteltern. Jedoch musste ich die ganzen Koffer-Probleme alleine lösen, da nur die Ankommenden zum Gepäckband durften. Durch die Unannehmlichkeiten mit meinem Koffer gab es dann eine Entschädigung von AUD 100.

Als ich dann endlich aus dem Flughafen herauskam, nahmen mich mein Gastvater und mein Austauschschüler in Empfang. Meine Gasteltern behandelten mich wirklich wie ihren eigenen Sohn. Jedoch schwächte mich der Jetlag etwas, sodass ich mich erst einmal an die Zeitumstellung gewöhnen musste. Nach ein paar Tagen ging aber auch der Jetlag weg und mein Austausch in Australien konnte anfangen. Auch wenn ich mit meinem Austauschschüler selber nicht gut auskam, habe ich doch viele neue Kontakte geknüpft, die ich auch bis heute noch pflege. Außerdem wurde ich dann auch noch meiner restlichen Gastfamilie, also den Großeltern und der Tante, vorgestellt. Ich hatte zwar zwei Gastschwestern im Alter von 20 und 21, diese lebten jedoch in Sydney und Wollongong, einer Stadt ca. 90 km von Sydney entfernt. Durch die vielen Familiengeburtstage lernte ich aber auch diese beiden Familienmitglieder sehr schnell kennen.

Am besten habe ich mich mit meinem Gastvater verstanden, da er mich von Anfang an gut aufgenommen hat. Durch die langen Gespräche, die ich fast jeden Tag mit ihm führte, lernte ich schnell flüssig zu reden und ich verbesserte mein Vokabular deutlich. Es hat wirklich Spaß gemacht, mit ihm mal über etwas kompliziertere Themen zu reden.

Auf dem Oxley College besuchte ich die 10. Klasse. Eine große Umstellung für mich war natürlich die Schuluniform. Einerseits musste ich zwar morgens keine Entscheidung wegen der Kleidung treffen, andererseits war es aber auf die Dauer wirklich langweilig, immer das Gleiche anzuziehen. Jedoch war die Schuluniform kein großes Problem für mich, da ich mich nach einiger Zeit gut daran gewöhnt habe.

Auch der Schulunterricht war sehr gut, allerdings fielen mir einige Fächer zu Anfang etwas schwer. Besonders in Erdkunde, Englisch und Biologie waren die ersten Stunden für mich sehr hart. Jedoch wurde es mit der Zeit immer leichter, bis ich schließlich fast den ganzen Unterricht verstanden habe. Später entwickelte sich aber vor allem Erdkunde zu einem meiner Lieblingsfächer, da mein Erdkundelehrer alles sehr gut und ausführlich erklären konnte. Deshalb schrieb ich auch in Erdkunde ein Essay, welches ich mit 14 von 20 Punkten abgeschlossen habe.

Das Fächerangebot in der Stufe 10 am Oxley College unterscheidet sich nicht sehr stark von dem in Deutschland. Nur in der 11. Stufe kann man dann berufsspezifische Fächer wählen, diese sind zum Beispiel: Business Studies (Wirtschaft), Ancient History (Alte Geschichte) und Modern History (Neuere Geschichte). Eines meiner Fächer war Französisch. Von der Grammatik und vom Vokabular war es zwar nichts Neues für mich, jedoch wählte ich es, um nicht ganz aus der Sprache herauszukommen.

Mir persönlich fiel es nicht allzu schwer meinen Unterrichtsrückstand in Deutschland wieder aufzuarbeiten. Einerseits lag dies natürlich daran, dass ich nur drei Schulwochen verpasst habe, andererseits konnte ich mich auch schnell wieder an die Schule in Deutschland gewöhnen. In Englisch durfte ich dann auch meinen Australien-Austausch vorstellen. Es war schön zu sehen, dass ich durch meinen Austausch auch etwas zum Unterricht beitragen konnte.

Der Australien-Austausch hat auch meine persönliche Entwicklung beeinflusst. Ich weiß nun besser mit manchen Situationen umzugehen. Besonders bei einem Austausch muss man sehr offen für Neues sein. Außerdem wurde ich nach zehn Wochen in Australien mutiger und selbstbewusster, weil ich auf mich allein gestellt war und ich mich für neue Personen öffnen musste.

Dadurch, dass ich, abgesehen von meinem Austauschschüler, mit allen gut auskam, habe ich immer noch Kontakt zu meinen besten Freunden in Australien. Jedoch wird es durch die hohen Flugkosten sicherlich sehr schwierig werden, sich wieder zu treffen.

Als Verbesserung schlage ich ausgeglichene Bewerbungen bzw. Bewerbungsunterlagen vor, denn auf der australischen Seite ging die Bewerbung über ca. 5 Seiten mit 4 gleichen Passbildern, während die deutschen Austauschschüler um die 20 Seiten ausfüllen und Bilder von der Familie, von dem Haus, von der Schule und von sich selber beilegen mussten.

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Austausch mit Australien für mich eine unvergessliche Zeit war. Sowohl das andere Schulsystem, als auch die andere Kultur und Mentalität Australiens begeisterten mich sehr. Außerdem konnte ich mithilfe des Austausches meine Englischkenntnisse deutlich verbessern und neue Freundschaften schließen. Wer Lust hat, neue Menschen und Sitten kennenzulernen, sollte auf jeden Fall an einem solchen Austausch teilnehmen.