Erfahrungsberichte: Kanada

Theresa Scheelje:

Gegen Ende 2010 entschloss ich mich dazu, einige Zeit im Ausland zu verbringen, und bewarb mich erstmals für den Schüleraustausch nach Ontario. Da jedoch mehr deutsche als kanadische Bewerber Interesse zeigten, konnten nicht alle deutschen Schüler genommen werden. Jedoch bekam ich von der Bezirksregierung Düsseldorf ein Alternativangebot, indem es hieß, ich könne anstatt nach Ontario einen Schüleraustausch nach Québec machen, da dort noch ein Platz frei sei. Anbei schickten sie gleich die Bewerbung der kanadischen Austauschschülerin mit, sodass ich mir sofort anschauen konnte, um wen es sich handelte.

Da ich einen englischsprachigen Austausch bevorzugte, überlegte ich zunächst, ob dieses Angebot das richtige für mich sei. Ich hatte durch den Französischunterricht Kenntnisse in dieser Sprache und so entschloss ich mich recht schnell zuzusagen, wozu auch die sehr positive und ansprechende Bewerbung der kanadischen Schülerin beitrug. Außerdem standen für mich das Sammeln von Erfahrungen und der Einblick in ein anderes Leben an erster Stelle. Besonders spannend fand ich, dass meine Austauschschülerin auf einer Insel lebt, da ich das Meer sehr gerne mag, und es kaum erwarten konnte, das Leben auf einer Insel kennen zu lernen. Immer mehr begeisterte ich mich für den Austausch, nun fand ich das Alternativprogramm fast ansprechender als den Austausch nach Ontario und war sehr froh nach Québec gehen zu können. Einen dreimonatigen Auslandsaufenthalt fand ich genau passend, da genug Zeit vorhanden ist, sich mit den Menschen vertraut zu machen und die Sprache zu lernen. Auch dass meine Austauschschülerin zuerst zu mir und ich erst im Winter zu ihr kommen würde, sah ich positiv, da ich nun nicht den Einstieg in die Oberstufe verpassen würde.

Einige Tage nach meiner Zusage nahm ich Kontakt über Facebook mit meiner Austauschschülerin auf. Wir schrieben uns mehrere Male, bevor Joele zu uns nach Deutschland kam. So konnte sie mir schon einiges über ihr Leben und ihre Schule berichten, und wir konnten uns etwas austauschen. Außerdem nahm ein Mädchen aus Bayern mit mir Kontakt auf, das im vorherigen Jahr am gleichen Austausch mit Joeles Schwester teilgenommen hatte. Sie gab mir nur positive Rückmeldungen und erzählte, ihre Zeit in Kanada sei eine der schönsten ihres Lebens gewesen. Das zu hören hat mich sehr gefreut, denn somit sah ich es als fast ausgeschlossen, dass meine Gastfamilie unsympathisch sein würde. Darüber brauchte ich mir also nicht mehr so große Sorgen zu machen. Ich konnte es nun kaum erwarten, Joele endlich kennenzulernen.

Als meine Eltern und ich Joele aus der Jugendherberge in Düsseldorf abholten, kam mir Joele schon auf den ersten Blick sehr sympathisch vor. Obwohl sie nur einen zweiwöchigen Crashkurs in Deutsch belegt hatte und sonst nur Unterricht über Skype bekam, hatte sie keine Hemmungen alles zu sagen, was sie sagen wollte, und redete die ganzen zwei Stunden Autofahrt durch.

Anfangs haben meine Familie und ich sehr langsam mit Joele geredet, doch nach zwei Wochen konnte sie schon fast alles verstehen, was auch sicher daran lag, dass sie sehr an der Sprache interessiert war. Joele und ich hatten nie eine richtige Auseinandersetzung, abgesehen von kleinen Meinungsverschiedenheiten. Sonst haben wir uns sehr gut verstanden, und unser Verhältnis wurde mit der Zeit immer besser und enger, da wir alles zusammen gemacht haben.

Die Zeitspanne von vier Wochen zwischen Joeles Abfahrt aus Deutschland und meiner Ankunft in Kanada betrachtete ich als genau richtig, da man jeden Tag miteinander verbracht hatte und nun eine kleine Auszeit nicht schaden konnte. Außerdem war es nicht zu viel Zeit, um sich auseinanderzuleben. In dieser Zwischenzeit haben wir viel über Facebook geschrieben und über Skype telefoniert. Da ich in dieser Zeit noch zwei Wochen Ferien hatte, verging sie für mich wie im Flug, und schon stand meine Abreise in unmittelbarer Nähe. Den anderen deutschen Schüler, Julian, der mit mir auf die Inseln fliegen würde, kannte ich bereits durch ein vorheriges Treffen. Wir hatten das Glück, dass wir im Flugzeug nebeneinander saßen, so konnten wir uns noch besser kennen lernen. Es war gut, nicht allein zu sein. Die Wartezeit auf das Flugzeug in Montreal verbrachte ich mit Julian und noch zwei anderen Deutschen, die ebenfalls Anschlussflüge nahmen. Diese Zeit verging auch richtig schnell, denn wir waren alle sehr aufgeregt, was uns alles erwarten würde. Schließlich flogen Julian und ich mit nur einer Stunde Verspätung los auf die Magdaleneninseln und kamen gegen elf Uhr endlich an.

Die Begrüßung durch meine Gastfamilie war sehr herzlich und freundlich, und ich war glücklich Joele endlich wiederzusehen. Ich war nicht besonders müde, was sicher auch an der Aufregung lag, und so fuhren wir noch weiter zu „Tim Hortons“, einer kanadischen Fastfood-Kette. Zu Hause angekommen, zeigte Joele mir das Haus und mein Zimmer, wo ich dann doch etwas erschöpft und müde von der langen Reise einschlief. Mit der Zeitumstellung hatte ich nicht viel zu kämpfen, ich brauchte nur ein paar Tage, um mich an den neuen Zeitrhythmus zu gewöhnen. Allerdings war ich abends, besonders in meiner ersten Woche, sehr müde, sodass ich früh ins Bett ging. Das hatte sicher auch mit der Sprache zu tun, denn für mich war es am Anfang sehr schwierig, das kanadische Französisch zu verstehen, da außerdem noch ein Akzent von den Magdaleneninseln hinzukam. Den ganzen Tag lang zu versuchen die Menschen zu verstehen, kann ganz schön anstrengend sein. Zudem noch in einer anderen Sprache sprechen. Doch ich merkte, dass ich mit der Zeit immer mehr verstand, am Ende machte mir der Akzent nichts mehr aus, sodass ich jetzt das kanadische Französisch besser verstehe als das französische, und mir das Französisch aus Frankreich, ohne Akzent aus Québec, ziemlich komisch vorkommt.

Am Anfang hatte ich manchmal Schwierigkeiten ein Gespräch aufzubauen, da ich nicht richtig dazwischen kam. Wenn ich zum Beispiel in der Schule bei Joele und ihren Freunden in der Pause stand, wollten alle immer etwas sagen, und selbst für Kanadier wäre es schwierig geworden, einzusteigen. An meinem ersten Tag in der Schule haben alle gleichzeitig sehr laut und sehr schnell geredet, und ich habe kein einziges Wort verstanden. Ich war sehr froh, dass Julian, der Deutsche, mit dem ich geflogen war, da war, denn mit ihm konnte ich immer reden, und wir hatten das Glück, dass wir in der Schule alle Fächer zusammen hatten. Außerdem war es ab und zu ganz gut, mal auf Deutsch zu reden.

Joeles Freundeskreis bestand aus ungefähr zwanzig Mädchen, so kam es, dass ich mit vielen unterschiedlichen Menschen zusammen war. Das fiel mir am Anfang ein bisschen schwer, da ich diese Unabhängigkeit der Freundschaften von zu Hause nicht gewöhnt war. Letztendlich ist es aber auch schön, denn somit habe ich sehr viele verschiedene Menschen kennengelernt.

In der Familie habe ich mich von Anfang an wohl gefühlt. Joele wohnt nur mit ihren Eltern zusammen, da ihre fünf älteren Geschwister schon alle ausgezogen sind. Meinen Gastvater fand ich besonders nett, denn er hat mir öfters Fragen gestellt und versucht mich in das Gespräch mit einzubeziehen, mit ihm konnte ich mich auch gut zu zweit unterhalten. Mit meiner Gastmutter war das ein bisschen schwieriger, da sie mich nur selten etwas gefragt hat und ich kein Mensch bin, der die ganze Zeit redet. Öfters habe ich mich dann einfach überwunden und versucht ein Gespräch anzufangen. Doch da die Eltern viel arbeiten mussten, war ich meistens mit Joele allein. Trotzdem fand ich die Stimmung in der Familie sehr angenehm. Das Verhältnis zwischen Joele und mir hat sich leider sehr verändert. In Deutschland haben wir alles zusammen gemacht und waren wie beste Freunde. In Kanada war das leider nicht mehr so. Ich vermute, das lag daran, dass sie nicht mehr auf mich angewiesen war.

Die Schule hat mir richtig gut gefallen. Alle Lehrer waren sehr nett und offen, sind sehr freundlich auf mich zugegangen und haben interessiert nachgefragt, ganz anders als ich es von Deutschland her kenne. Ich denke, mir wird es etwas schwer fallen, nun wieder in meine alte Schule zurückzukehren.

Auch das Lehrer-Schüler Verhältnis ist das komplette Gegenteil zu Deutschland. Die Schüler reden alle Lehrer mit Vor- oder Spitznamen an und duzen sie. Der Lehrer steht im freundschaftlichen Verhältnis zu den Schülern und bringt viel mehr Persönlichkeit mit in den Unterricht. Außerdem sind die Stunden nicht so durchgeplant, sondern viel lockerer, und man hat mehr Zeit für die Arbeit. Mir hat die Schule viel Spaß gemacht, und als ich etwas mehr Französisch verstanden habe, konnte ich richtig mitarbeiten und Tests mitschreiben. Das Schulniveau ist niedriger als in Deutschland. Obwohl ich mit Schülern zusammen war, die ein Jahr älter waren, haben sie Themen durchgenommen, die ich bereits im deutschen Unterricht durchgenommen hatte. Man hat auch gemerkt, dass Spaß am Lernen ein sehr wichtiger Punkt im Unterricht war, was mir sehr gefallen hat.

Besonders gefallen hat mir der Ausflug nach Montreal, den wir Mitte März machten. Ich lernte Joeles ganze Familie kennen, unter anderem auch ihre zwei Schwestern und Brüder. Auch merkte ich, dass es eine ganz andere Situation war, wenn Joele und ich nicht allein waren, sondern zum Beispiel ihre Schwestern dabei waren. Die Kommunikation verlief viel lockerer und nicht so zwingend wie wenn wir nur zu zweit waren. Hier merkte ich auch, was Emma, das Mädchen aus Bayern gemeint haben muss, indem sie die Familie beschrieb. Bei ihr wohnten die Schwestern noch zu dritt. Mir fiel auf, dass die Familie, wenn alle zusammen waren, viel kompletter wirkte – als würde ein Teil fehlen, wenn die Hälfte nicht da war.

Auch wenn sich dieser Bericht nicht durchgehend positiv anhört, würde ich diesen Austausch immer jedem weiterempfehlen, da ich ihn selbst ohne Zweifel noch einmal machen würde. Obwohl es auch besonders am Anfang nicht immer leicht für mich war, konnte ich doch sehr viele Erfahrungen sammeln, sehr viel daraus mitnehmen. Ich habe gesehen, wie andere Menschen weit weg von meinem Zuhause leben und ich konnte in ihren Alltag einsteigen. Zudem hatte ich die Möglichkeit in eine andere Kultur abzutauchen und viele neue Dinge zu lernen. Außerdem habe ich festgestellt, dass man, selbst wenn die Menschen eine andere Sprache sprechen, überall Freunde finden kann, und man nicht allein sein muss, wenn man nicht möchte. Ich denke, der Austausch hat mich in vielen Punkten meines Lebens weitergebracht, viele Dinge erscheinen mir in einem anderen Licht als vorher, sodass ich viele Sachen mehr schätze als vorher.

Alexandra Grygier:

Am Montag, dem 20.8., ging es endlich los: Während jeder gewöhnliche Schüler in NRW in der Schule saß, befand ich mich auf dem Flug nach Toronto. Die Gruppe von knapp 20 Schülern, die wie auch ich an dem Austausch teilnahmen, kannte ich schon von dem Vorbereitungstreffen. Wir verstanden uns auf Anhieb prima und hatten somit viel Spaß in den ersten drei Tagen, die wir gemeinsam in Toronto in einem Hotel verbrachten. Diese sogenannte „orientation“ diente dazu, dass wir uns erst einmal an das Land gewöhnten und außerdem unseren Jetlag überwinden konnten. Zu Letzterem hatten wir allerdings nicht viel Gelegenheit, denn das Programm war sehr dicht: Eine Tour zu den weltbekannten Niagarafällen sowie nach Toronto, wo wir den CN-Tower und das Stadion besichtigten. Das Wichtigste in der Provinz Ontario hatten wir somit schon gesehen!

Am Mittwoch Abend musste sich die Gruppe trennen und wir alle wurden von unseren Gastfamilien abgeholt. Meine Familie, die ich von den Profilunterlagen bereits ein wenig kannte, war auf Anhieb sehr nett und freundlich und zeigte völliges Verständnis dafür, dass ich während der Autofahrt ein bisschen Schlaf nachholen musste…

Meine Gastfamilie bestand aus meinen Gasteltern, meiner Gastschwester und meiner Austauschschülerin. Sie waren stets bemüht, mir so viel wie möglich von der Gegend zu zeigen, und starteten gleich zu Anfang mit einer Woche Camping – ein einmaliges Erlebnis! Wir wanderten durch die kanadische Wildnis, ließen uns über die Lebensweise der Ureinwohner aufklären, badeten in traumhaften (jedoch relativ kalten) Gewässern und machten es uns abends am Lagerfeuer gemütlich. Dabei lernte ich eines der hier üblichen Gerichte kennen: gegrillte Marshmallows! Sehr empfehlenswert.

Schon nach wenigen Tagen hatte ich das Gefühl, die englische Sprache etwas besser als vorher zu beherrschen, und die Sprachschwierigkeiten wurden immer weniger. Nach unserem Urlaub stellte mir meine Austauschpartnerin viele Freunde vor, die alle unglaublich aufgeschlossen und neugierig mir gegenüber waren. Auch in der Schule, die zwei Wochen nach meiner Ankunft in Kanada begann, wurde ich mit einer Herzlichkeit empfangen, die mich doch sehr positiv überraschte. Das Schulsystem unterschied sich allerdings sehr stark von unserem: Das Erste, was man morgens vor dem Unterricht tat, war der Besuch an seinem Schrank, wo man seine Bücher verstauen konnte. Dieses Ritual hat sich zu einer Art Treffpunkt vieler Freunde entwickelt und gehört zum Schülerdasein eines Kanadiers genauso wie das übliche Zähneputzen. Um 8.50 Uhr musste man sich in seinem Klassenraum befinden, denn die kanadische Nationalhymne wurde gespielt. Das bedeutete für jeden, still zu stehen und andächtig der Melodie zu lauschen. Nach den morgendlichen Ansagen begann die erste Unterrichtsstunde. Sie war, wie alle anderen auch, 75 Minuten lang und jeder Schüler hatte vier Fächer, die sich Tag für Tag wiederholten. Ich wählte die Fächer Musik, Englisch, kanadische Geschichte und Französisch. Im Musikunterricht hatte jeder sein Instrument, auf dem er spielte, und so entstand ein kleines Orchester! Wir spielten also verschiedene Stücke und mussten etwa alle zwei bis drei Wochen ein Stück einzeln vorspielen, was als Test bewertet wurde. Der Englischunterricht basierte auf einer Reihe von Projekten, die wir in Gruppen bearbeiten sollten. Unterricht in unserem Verständnis fand somit nicht statt, da uns die Lehrerin fast nur in Gruppen arbeiten ließ. Nach zwei Stunden war Mittagspause, in der sich die Schüler hauptsächlich auf den Fluren oder in der Kantine aufhielten. Kanadische Geschichte war sehr interessant für mich; außerdem hatte ich einen äußerst humorvollen Lehrer, der mich als Neuling ständig in seine Reden während des Unterrichts einbrachte. Er hängte sogar eine Deutschlandkarte in seinem Klassenraum auf, mit der Begründung, ich würde mich dann mehr zu Hause fühlen! Diese überaus freundlich-witzige Mentalität zeichnet die Kanadier aus, wie ich rückblickend sagen kann! Auch meine Französischlehrerin war eine besondere Persönlichkeit, denn sie hielt es für die beste Methode, Sprachen spielerisch zu erlernen. Also machten wir oft Ratespiele oder führten kleine Theaterstücke während des Unterrichts auf.

Nach der Schule war die Teilnahme an diversen sportlichen oder musikalischen AG’s möglich. Ich probierte das Cross-Country-Team aus, was so viel bedeutet wie Joggingtouren in der Natur. Das stellte sich als gute Entscheidung heraus, denn abgesehen davon, dass ich neue Leute kennenlernte, sah ich auch viele hübsche Gegenden Kanadas.

Insgesamt war das Schulleben hier für mich eine interessante Erfahrung und Bereicherung! Es fanden viele witzige Sachen in der Schule statt, wie z.B. ein Bananenesswettbewerb in der Mittagspause. Zehn freiwillige Teilnehmer mussten in kurzer Zeit so viele Bananen verdrücken wie möglich. Der Gewinner schaffte, glaube ich, sieben oder acht in zwei Minuten und bekam eine Eintrittskarte für die nächste Schulparty!

Die Zeit um Thanksgiving und Halloween war mit vielen, für einen Durchschnittseuropäer ungewöhnlichen Tätigkeiten verbunden. Zu Thanksgiving versammelt sich, falls möglich, die gesamte Familie und es wird traditionell gegessen: Truthahn, Kürbiskuchen usw. Meine Gastfamilie und ein Teil ihrer Familie feierten das Fest mit mir auf einem Campingplatz neben einem wunderschönen See. Vor dem Essen sagt jeder etwas, wofür er oder sie dankbar ist (daher auch der Name Thanksgiving). Trotz der Tatsache, dass es Mitte Oktober war, ließ ich mich nicht davon abhalten, mit einer der Cousinen im See baden zu gehen!

Je näher es auf Halloween zuging, desto mehr wurde vorbereitet: Kostüme kaufen bzw. selber kreieren, das Haus dekorieren, Kürbisse aushöhlen… mit welchem Elan die Kanadier bei der Sache waren! In der Schule fand ein „Halloween-Dance“ statt, wo sich jeder Tanzfreudige in seinem Kostüm präsentieren konnte. Von Prinzessinnen bis hin zu Frankenstein und Mumien war alles dabei – ich selbst habe mich als Piratenfrau verkleidet. Spätestens am 31.10. war jedes Haus komplett ausgerüstet: Man fand die seltsamsten Dekorationen (wie z.B. aufblasbare Riesenkürbisse) und haufenweise Süßigkeiten. In Firmen, Arztpraxen oder anderen Einrichtungen war es üblich, dass sich Angestellte verkleideten. Am Abend war das auch hier bekannte „trick-or-treating“ angesagt. Meine Austauschpartnerin, unsere Freunde und ich machten uns ebenfalls auf den Weg, obwohl wir vielleicht schon ein bisschen zu alt dafür waren. Trotzdem war es sehr lustig und am Ende hatte jeder eine große Tasche voll Süßigkeiten eingesammelt!

Ich bekam auch Ottawa, die Hauptstadt Kanadas, zu sehen. Eine schöne, grüne Metropole, allerdings mit einer Unmenge von Einbahnstraßen, die bei Nicht-Ottawanern wie uns zunächst ein ziemliches Chaos auslösten… Meine Gastfamilie zeigte mir das „Museum of Civilization“ und die Innenstadt mit ihren noblen Hotels und zahlreichen Geschäften. Auffällig war die Vielzahl an Nationalitäten, die sich hier zusammenfindet. Wir nahmen an einer Führung durch das „Parliament Building“ teil, die mir einen Einblick in den kanadischen Regierungssitz gewährte. Den Premierminister Stephen Harper trafen wir leider nicht! Für einen Nachmittag fuhren wir auch in die fünf Minuten entfernte Nebenprovinz Quebec.

Oft unternahm ich etwas mit meiner Austauschpartnerin, mit der ich mich bis zum Ende super verstanden habe, und mit unseren gemeinsamen Freunden. Sie zeigten mir gerne ihre Heimatstadt und wir gingen schwimmen, bowlen, ins Kino, auf Parties usw. Am Ende fiel es mir richtig schwer, mich von allen zu trennen! Im Nachhinein hätte ich mir gewünscht, einen Austausch mit einer längeren Aufenthaltsdauer gewählt zu haben, aber das ließ sich später leider nicht mehr ändern. Nach einem bewegenden Abschied flog ich am 10.11. schließlich zurück nach „good old Germany“.

Das möchte ich auf jeden Fall noch den jüngeren Schülern auf den Weg geben: Nutze die Chance und nimm an einem Austausch teil! Es ist eine einmalige Gelegenheit, neue Freunde, Kulturen und Lebensweisen kennenzulernen und nebenbei seine Sprache zu verbessern. Du wirst eine unglaublich tolle Zeit haben! Falls man sich für einen Auslandsaufenthalt entschieden hat, kann ich nur empfehlen, ganz offen zu bleiben. Neues auszuprobieren ist ebenso wichtig wie manchmal seine Ansprüche etwas herunterzuschrauben. Andere Länder haben nun mal andere Sitten und, wenn man das akzeptiert, wird man keine Schwierigkeiten haben, sich einzuleben.