Spanien

Stadtwappen von GijonDer Beginn eines neuen Austauschprogramms am ESG: Im März 2014 fuhr eine Reisegruppe unserer Schule nach Gijón, im Juni darauf waren die spanischen Schülerinnen und Schüler bei uns zu Gast. Die am Golf von Biskaya liegende, etwa 275.000 Einwohner zählende Stadt Gijón ist wirtschaftliches Zentrum der spanischen Nordküste.

 

Austausch mit Gijón

Seit dem Schuljahr 2013/14 ist ein spanisches Gymnasium, das IES Colegio Calderón de la Barca in Gijón, Partnerschule des ESG für ein Austauschprogramm. Der Kontakt kam über unsere ehemalige Fremdsprachenassistentin María López del Río zustande.

Erstmals entsandte das ESG eine Gruppe von 13 Schülerinnen und Schüler der EF und der Q1, die von den Lehrkräften Salvador Alberola Andreu und Yvonne Bansmann begleitet wurde, nach Gijón. Die Fahrt fand vom 15. bis 22. März 2014 statt. Die deutschen Gäste hatten nach einem herzlichen Empfang Gelegenheit, die Schule kennen zu lernen und am Unterricht teilzunehmen, der sich sehr von dem in Deutschland gewohnten unterscheidet, besteht er doch zumeist aus einem langen Monolog der Lehrkraft, dessen Inhalte am Ende des Schuljahres abgeprüft werden. Die mündliche Beteiligung der Schüler am Unterricht zählt für die Leistungsbewertung so gut wie gar nicht; der Geräuschpegel ist daher oft beträchtlich. Der Fremdsprachenunterricht erfolgt weitgehend in der Zielsprache. Nach fünf Jahren Unterricht sind die Kenntnisse der Schülerinnen und Schüler deutlich geringer als in Deutschland. Insgesamt wird wenig Wert auf mündlichen Ausdruck gelegt. Die spanischen Schüler beginnen in der vierjährigen Mittelstufe, die dort ESO heißt, mit Deutsch. In der sich daran anschließenden zweijährigen Oberstufe kann Deutsch als Abiturkurs gewählt werden.

Da alle Schüler in spanischen Familien untergebracht waren, konnten sie das Alltagsleben hautnah miterleben. Darüber hinaus standen mit Oviedo und Leon zwei Höhepunkte auf dem kulturellen Programm. Es wurde von den spanischen Geschichtslehrern gestaltet, die die Fahrten begleiteten und den Gästen einen Einblick in Kultur und Geschichte der beiden Städte vermittelten.

Deutsch-spanische Freundschaft vor dem Kölner Dom

Der Gegenbesuch der Spanier fand vom 15. bis 24. Juni 2014 statt. Die Gäste, die von den Deutschlehrern Eva Jiménez und José Manuel Gonzalez sowie der ungarischen Fremdsprachenassistentin Luka Rideg begleitet wurden, waren in Gütersloh bei ihren Austauschpartnern untergebracht. Für die Dauer ihres Aufenthalts wurden sie von Salvador Alberola Andreu, Jutta von Keyserlingk und Yvonne Bansmann betreut sowie von weiteren Lehrkräften, die sich bereit erklärten, die spanischen Gäste aufzunehmen. Ohne diese Kollegen wäre ein erfolgreicher Austausch gar nicht möglich gewesen, da die Fachschaft Spanisch nur aus drei Lehrkräften besteht.

In den ersten Tagen lag der Schwerpunkt auf dem Kennenlernen der Schule. Die Cheerleader der Jahrgangsstufe Q2 begrüßten die Spanier mit ihrer Choreographie herzlich auf dem Schulhof. Darüber hinaus gab es eine Werksführung bei Miele, eine gemeinsame Fahrradtour nach Wiedenbrück und eine Schnitzeljagd durch Gütersloh sowie Fahrten nach Köln und Dortmund. Für das lange Wochenende waren der Kletterpark am Hermannsdenkmal und die Externsteine angesetzt, doch fiel der Ausflug leider im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser, weil es nach dem dreistündigen Aufenthalt im Kletterpark so stark regnete, dass man das Hermannsdenkmal kaum noch erkennen konnte. Der Kletterpark war für die Spanier ein ganz neues Erlebnis, weil es Kletterparks in dieser Form in Spanien nicht gibt. Zwar mussten einige spanische Schüler die Klettertour wegen Höhenangst abbrechen, doch genossen die meisten die sportliche Unternehmung sehr.

Sowohl von deutscher als auch von spanischer Seite wird der Austausch als sehr gelungen bewertet. Alle Teilnehmer waren hochzufrieden und würdigten die Möglichkeit, eine andere Kultur kennen gelernt zu haben. Die neu entstandenen Freundschaften dürften über den Austausch hinaus Bestand haben; einige Schüler planen in den nächsten Ferien wieder nach Gijón zu fahren. Da die Spanier in der Oberstufe aber nur einen einzigen Deutschkurs haben, wird der Austausch nur alle zwei bis drei Jahre stattfinden können.

Gijón 2014 – ein Rückblick

Von Laura Frank

Als wir am Samstagmorgen in Gütersloh aufbrachen, machten wir uns voller Erwartungen und Vorfreude auf die Reise nach Gijón. Die Hafenstadt liegt mit ihren ca. 275.000 Einwohnern im Nordwesten Spaniens und gehört zu Asturien. Am Abend hatten wir unser Ziel endlich erreicht und wurden herzlichst und ganz nach spanischer Sitte mit einem Küsschen links und rechts von unseren Austauschschülern und deren Familien empfangen. Umgehend waren jegliche Anzeichen von Müdigkeit und Nervosität verflogen und auch anfängliche Sprachbarrieren wurden schnell überwunden.

In einer Woche galt es so viel wie möglich von der spanischen Kultur und Landschaft kennenzulernen. Daher besuchten wir zum einen Oviedo, die Hauptstadt Asturiens, die vor allem durch Woody Allens Film „Vicky Cristina Barcelona“ berühmt geworden ist, sich aber auch durch ihren charmanten Altstadtkern auszeichnet. Zum anderen waren wir in León, das mit seiner gotischen Kathedrale zu einer der bekanntesten Städte auf dem Jakobsweg zählt. Darüber hinaus haben wir uns in Gijón selbst im Museum des Volkes von Asturien ein Bild von der asturischen Vergangenheit machen können und durften im „Acuario de Gijón“ zahlreiche Meerestiere bewundern.

Außerdem waren wir im asturischen Jura-Museum, welches mit allerhand lebensgroßen Repliken den Zeitraum und die Lebensumstände der Dinosaurier wirklichkeitsnah darstellt. Asturien blickt auf eine beeindruckende Vergangenheit zurück, denn vor über 200 Millionen Jahren haben die Dinosaurier hier ihre Fußspuren hinterlassen, die wir noch jetzt am idyllischen „Playa de la Griega“ erkennen konnten.

Neben den kulturellen Aspekten hatten wir selbstverständlich auch Gelegenheit, viel mit unseren Austauschschülern zu machen und konnten so den spanischen Lebensstil auf eine sehr authentische Art kennenlernen. „Puedes hablar más despacio, por favor?“ (Kannst du bitte langsamer sprechen?) wurde schnell zum meistgesprochenen Satz des Austausches. Spanier sprechen normalerweise schnell und in den meisten Fällen viel zu schnell für uns deutsche Muttersprachler mit Spanischkenntnissen aus dem Unterricht. Aber das spanische Volk zeichnet sich nicht umsonst durch seine Offenheit und Warmherzigkeit aus und daher wurden manche Sätze eben so lange wiederholt, bis wir Deutschen sie verstanden hatten.

Auch an den neuen Tagesrhythmus mussten wir uns erstmal gewöhnen. Gefrühstückt wird in Spanien meistens nur eine Kleinigkeit, dann isst man wie gewöhnlich zu Mittag, doch gegen 22 Uhr wird dann nochmal ziemlich reichhaltig zu Abend gegessen. Das war für uns Deutsche völlig neuartig, doch nach ein paar Tagen hatte man sich bereits an die neuen Essenszeiten angepasst. Schleunigst wurde die spanische Familie zu einer Art deutscher Ersatzfamilie, auch wenn man nur eine Woche zusammengelebt hatte. Umso schwerer fiel uns dann der Abschied. Auf den letzten Metern wurden wir von den Spaniern am Flughafen begleitet, da ihnen das Loslassen anscheinend mindestens genauso große Schwierigkeiten bereitete wie uns.

Alles in allem haben wir in Gijón eine unvergessliche Woche verbracht und sind mit verbessertem Spanisch und neuen Freundschaften nach Deutschland zurückgekehrt.